Signifikante Risikokonzentration ist vor allem dieses Jahr erneut ein beliebtes und gefährliches Spiel! Wer 2020 ausschließlich in Big Tech investierte, ließ den breiten Markt weit hinter sich. Historisch betrachtet sind solche Marktphasen keine Seltenheit. Zur Jahrtausendwende war der amerikanische Aktienmarkt allen anderen weit voraus. Während der S&P 500 von 1995 bis 2000, getrieben von amerikanischen Tech-Unternehmen, etwa +250% Rendite erwirtschaftete, verblieb der restliche entwickelte Markt bei „nur“ +90%, Schwellenländer sogar lediglich bei +10% Rendite. Viele Investoren stellten in Frage, ob Anlagen außerhalb der Vereinigten Staaten überhaupt noch notwendig wären. Wenig überraschend folgte kurze Zeit später der US-Markteinbruch und mischte die Karten neu.

Ein anderes Beispiel ist der japanische Aktienmarkt. Ein japanischer Sparer, der seit 30 Jahren Vermögen ausschließlich im heimischen Markt aufbaute, verlor – gemessen an der Rendite des Nikkei – in seiner Heimatwährung 15% des Kapitals. Zwischenzeitliche Verluste von mehr als 80% waren Teil dieser Reise; Vermögensaufbau sieht anders aus.

Die vorausgehenden Beispiele verdeutlichen den hohen Wert einer konsequenten und langfristigen Portfoliodiversifikation. Kurzfristig profitable Trends konzentriert auf wenige Anlageklassen erweisen sich als äußerst volatil und spekulativ. Doch auch wenn die langfristigen Zahlen die Effektivität von Diversifikation bestätigen, fällt es vielen Anlegern kurzfristig äußerst schwer, konzentrierten Trends zu widerstehen.

Eine Begründung für dieses Verhalten findet sich im sogenannten Recency Bias. Der Recency Bias ist ein verhaltensökonomischer Effekt, bei dem Menschen dazu tendieren jüngste Trends zu weit in die Zukunft fortzuschreiben. Unvollständigen Informationen der jüngeren Vergangenheit werden wesentlich höhere Gewichtungen eingeräumt als älteren, vollständigeren Informationen.

Beispiel: Fallen die Kurse bestimmter Wertpapiere kurzfristig stark, so senken Anleger ihre Erwartungen. Empirisch betrachtet verdient jedoch derjenige am meisten, der zu den günstigsten Kursen kauft, d.h. fallende Kurse sollten die zukünftigen Renditeerwartungen erhöhen – nicht senken.  Auch für steigende Kurse gilt diese Logik, weshalb das „Nachlaufen“ hinter dem Trend die erwartete Rendite senkt.

Der Recency Bias lässt sich mithilfe gezielter Diversifikation effektiv bekämpfen. Eine breite Basisdiversifikation über Regionen, Sektoren, Anlageklassen, Faktoren und Währungen reduziert die Anfälligkeit gegenüber kurzfristigen und nicht nachhaltigen Trends. Auch aktive Strategien sollten die Diversifikation niemals vernachlässigen und taktische Manöver nicht auf Kosten einer breiten Streuung implementieren. Historisch zeigt sich, dass durch ein solches Konzept Risiken erheblich gesenkt werden können, ohne dafür langfristig auf Rendite verzichten zu müssen.

Vermögensaufbau ist und bleibt ein Marathon, für den eine langfristige Strategie und ein ausdauernder Wille ausschlaggebend sind.