Die offizielle Inflation in Deutschland ist sehr niedrig. Trotzdem haben die Menschen das Gefühl, dass sich ihr Geld stärker entwertet. Zu Recht!

Ein Blick in die offiziellen Inflationsstatistiken der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass die Inflationsraten zwischen -0,5 % und +1 % liegt (Stand: 2015). Kein Grund zur Sorge denkt so mancher, denn das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist doch eine Zielinflation von Nahe unter 2 %. Eine solche Inflationshöhe wird als Geldwertstabilität bezeichnet. Die Inflationsrate wird auf Basis einen repräsentativen Warenkorbes vom Statistischen Bundesamt regelmäßig berechnet. Was ist der Inhalt dieses Warenkorbes? Die größeren Posten sind Nahrungsmittel, Nebenkosten des Wohnens, Verkehr, Freizeit, Kultur und Unterhaltung.

Das erste Schaubild zeigt die jährliche Rendite von Festgeldern. Es handelt sich um einen Querschnitt von ca. 50 Banken, Schnupperangebote sind nicht berücksichtigt. Im oberen Teil des Bildes ist klar zu erkennen, dass die Renditen seit Jahren zurückgehen, aber immer noch positiv sind. „Nominal“ konnte das Vermögen erhalten werden. Weiter unten auf dem Schaubild sind diese gleichen Renditen nach Abzug der Steuern (Abgeltungssteuer, Soli u. Kirchensteuer) und nach Abzug der tatsächlichen Inflation dargestellt. Böse Überraschung: Die „realen“ Renditen sind seit mehr als fünf Jahren negativ. Im Ergebnis ist eine solche Anlage also „zinsloses Risiko“ – eine reale Vermögensvernichtung.

Renditen von Festgeld in Deutschland - repräsentativer Querschnitt

 

Da jeder Mensch unterschiedliche Ausgaben hat, ist der offizielle Inflations-Warenkorb nicht für jedermann repräsentativ. Menschen, die auch Aktienvermögen, Immobilien, Rentenwerte und vieles mehr haben, werden mit dieser Auswahl nicht repräsentiert. Gerade im Bereich der Immobilien ist eine enorme Vermögenspreisinflation zu verzeichnen. Die seit Jahren stark steigenden Immobilienpreise in vielen Städten werden in dieser Inflationsrate nicht berücksichtigt. Daher berechnet das Flossbach von Storch Research Institute (http://www.fvs-ri.com)  seit Jahren einen sogenannten „Vermögenspreisindex“. Auf dem Schaubild ist die klassische Inflationsrate im Vergleich mit dem FvS Vermögenspreisindex zu sehen. Die „gefühlte“ oder „persönliche“ Inflation ist also deutlich höher als die Statistik wiedergibt.

VermögenspreisinflationIst dies eine vorübergehende Entwicklung oder gar eine Blase? Werden die Zinsen bald wieder deutlich steigen oder die Immobilienpreise kollabieren? Wir meinen nein, obwohl das 40-fache einer Jahresmiete bei Immobilienpreisen sehr fragwürdig sind. Eine deutliche Anhebung der Zinsen in Amerika, Europa oder Japan, würde die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen. Unternehmen müssten deutlich höhere Zinsen zahlen – insbesondere in den schwachen Peripherie-Staaten der EU würde die Wirtschaft leiden. Die EZB macht daher auch derzeit das Gegenteil von Zinserhöhungen: sie druckt massenhaft Geld: mehr als 60 Mrd. EUR pro Monat, in dem sie Anleihen aufkauft.

Noch schlimmer wären höhere Zinsen für die hoch verschuldeten Staaten: auf dieser abgebildeten europäischen Schuldenkarte sind alle Staaten rot gekennzeichnet, deren Staatsverschuldung mehr als 80 % der Jahreswirtschaftsleistung ausmachen. Auch die hier nicht abgebildeten Länder Japan und USA sind tiefrot und hoch verschuldet. Die Zinslast belastet die jeweiligen Staatshaushalte bereits enorm. Das Geld fehlt an anderen Stellen. Würden nun die Zinsen deutlich steigen, wäre die Zinslast für viele Staaten so erdrückend, das Pleiten nicht mehr ausgeschlossen wären. Daher glauben wir an weiterhin niedrige Zinsen, wohl aber kann und wird die Inflation irgendwann steigen. Die Vermögenspreisinflation läuft bereits auf Hochtouren. Die Geldvernichtung ist also in vollem Gange.

Schuldenkarte

Fazit: Real wird seit Jahren Geld in zinslosen Anlagen vernichtet, weil die offizielle Inflationsrate niedrig erscheint. Ein Zinsanstieg ist nicht in Sicht, da er den hochverschuldeten Staaten die Luft zum Atmen nehmen würde. Alternativen sind im Rahmen der Vermögensanlage gefragt. Wenn Sie hierzu Fragen haben, sprechen Sie uns an.