Jetzt noch in Aktienfonds investieren? Aktiv gemanagte Fonds oder ETFs? Interview mit dem bekannten Fondsmanager Dr. Christoph Bruns

Herr Dr. Bruns, Sie sind ein Freund der Aktie und managen mehrere globale Aktienfonds. Ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch klug in Aktien zu investieren, wo doch der Wirtschaftszyklus bereits im 9. Jahr des Aufschwungs ist? Oder sind Aktien einfach zu teuer geworden?

Die gegenwärtige Börsenhausse startete im März 2009 und hat somit neun Jahre Aktienaufschwung erbracht. Es handelt sich um eine weltweite Entwicklung. Hauptgründe für diesen Prozess sind extrem niedrige Zinsen und gute Profitabilitätsentwicklung bei den meisten börsennotierten Unternehmen. Einige Sonderfaktoren kommen hinzu. Die beschleunigte Digitalisierung hat zu Wachstumsschüben bei Informationstechnik geführt. Besonders die ubiquitäre Verbreitung von Mobiltelefonen sorgt für Produktivitätsfortschritte. Daher nimmt es nicht Wunder, dass vor allem amerikanische Aktien aus diesen Sektoren (Amazon, Google, Netflix, Apple, Facebook etc.) den Markt anführen.

Unterstützt wird der aktuelle Aufwärtszyklus von einer vor allem in Europa und Japan weit verbreiteten Anlegerskepsis, die dazu geführt hat, dass Übertreibungen bislang weitgehend ausgeblieben sind. Für die Vereinigten Staaten kommt noch hinzu, dass dort eine sehr weitreichende Unternehmenssteuerreform und Schritte zur Deregulierung umgesetzt worden sind. Außerdem nimmt die Anzahl handelbarer Aktien durch Übernahmen und Rückkäufe seit Jahren ab. Auf der positiven Seite tritt hinzu, dass der amerikanische Finanzsektor mittlerweile saniert ist und wieder hohe Gewinne erwirtschaftet. Und der zyklische Einbruch beim Ölpreis in den Jahren 2014ff. ist ebenfalls überwunden, so dass auch die Rohstoffindustrie sich besserer Zeiten erfreut.

Wo sehen Sie für Anleger zurzeit die größten Risiken? Können Anleger sich davor schützen?

Abgesehen von den hohen Bewertungen bei sog. Technologieaktien wirken die Aktienmarktbewertungen nicht strapaziert. Selbstverständlich kommt es bei der Betrachtung von Aktienanlagen auf die einzelnen Unternehmen und deren Gesamtheit als Portfolio an. Aussichtsreiche Unternehmen mit günstiger Bewertung lassen sich sowohl in Japan als auch in Europa und den USA finden. Vor allem die vorgenannte Unternehmenssteuerreform hat in Amerika für deutlich steigende Gewinnerwartungen gesorgt. Chancen sehen wir sowohl bei klein- als auch bei großkapitalisierten Unternehmen. Größter Risikofaktor sind stark steigende Zinsen, von denen wir allerdings nicht ausgehen.

Täglich lesen wir in der Zeitung, dass sog. Exchange Traded Funds (ETFs) die bessere Wahl als aktiv gemanagte Fonds, insbesondere Aktienfonds sind. Vor allem wird ins Feld geführt, dass ETFs deutlich kostengünstiger sind und in der Regel eine bessere Performance abliefern, als aktiv verwaltete Fonds. Sie managen einen Fonds aktiv und erhalten dafür eine, im Vergleich zu ETFs, hohe Gebühr. Warum sollten Anleger Ihren Aktienfonds kaufen und nicht einen globalen Aktien-ETF?

Am Kapitalmarkt gibt es seit Jahren eine Tendenz zu sogenannten ETFs. Die LOYS AG freut sich über diese Tendenz, denn sie macht Märkte ineffizienter. Für ein Fondsmanagementhaus wie die LOYS AG, die ausschließlich Mehrwert stiftende Fonds managt, kommt es durch die ETF-Beliebtheit zu zusätzlichen Anlagechancen. Da ETFs keine ökonomische Aktienauswahl treffen, kumulieren sich zu hoch bewertete Aktien in den dort unterlegten Indizes. Anleger dürfen sich daher im Gegensatz zu den LOYS Fonds nicht in der Situation wähnen, ein Portefeuille unterbewerteter Qualitätsaktien zu besitzen. Vielmehr sorgt die ETF-Methodik für eine ständig steigende Gewichtung von Momentumaktien. Und je mehr Geld in solche Produkte fließt, desto weiter steigen in den ETF-Portfolios die Bewertungen.

Im Hause LOYS gehen wir davon aus, dass im Laufe der Zeit vom Markt eine angemessene Bewertung für jede Aktie gefunden werden wird. Exzesse von Über- und Unterbewertung sollten im Laufe der Zeit korrigiert werden. Wir legen höchsten Wert darauf, nur unterbewertete Aktien zu besitzen. Überpopuläre Aktien meiden wir, weil sie in der Regel gut, aber zu teuer sind. Als konservative Mit-Investoren erwirtschaften wir unseren Mehrertrag durch vorsichtige Aktienauswahl gepaart mit einem langen Planungshorizont. 

Zu den Preisen für aktives und passives Management gilt festzuhalten, dass erfolgreiche bewusste Wertpapierauswahl mit Kompetenz, Arbeit, Kosten und hohem Analyseeinsatz verbunden sind. Derartige Kosten fallen bei ETF nicht an, weil dort nicht ökonomische Aktienauswahl betrieben wird. In Zeiten, wo geflissentlich alle Aktien ohnehin steigen, mag der Verzicht auf Bewertung und Sicherheitsmarge keine Rolle spielen. Hier wird sich der Anleger entscheiden müssen, was er für sein eigenes Geld wünscht.

Augenscheinlich ist bei vielen Investoren die Subprime-Krise der Jahre 2007ff. längst vergessen. Damals hieß es nämlich, dass man viel besser Subprime als Staatsanleihen kaufen sollte, da diese ja eine höhere Rendite bei gleichem Risiko (Triple A) aufwiesen. Wohin derartiges Denken geführt hat, konnte man bei der Pleite von IKB, West LB, Sächsische Landesbank etc. gut beobachten. 

Ich persönlich schlafe des Nachts nicht gut, wenn ich denken muss, in meinem Aktienfonds befinden sich überbewertete Titel. Wie ich aus vielen persönlichen Gesprächen weiß, halten sich deutsche Anleger für eher konservativ, wenn es um Geldanlagethemen geht. Ich zweifele an, dass ETFs angesichts der Indexzusammensetzungen heute konservative Anlageprodukte sind.

Eine politische Frage: Wohin wird sich Europa politisch entwickeln? Sehen Sie für Deutschland eine Chance, dass wir nicht der Zahlmeister Europas werden?

Durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bekommt die europäische Einigung neuen Schub. Inzwischen ist klar geworden, dass Europa auf den Feldern Wirtschaft und Verteidigung mehr Eigenständigkeit entwickeln muss. Diese Aufgabe ist nur durch stärkere Integration zu stemmen. Selbstverständlich sind die Vorteile eines vereinigten Europas nicht zum Nulltarif zu haben. Die Erhaltung von Frieden und Wohlstand gebieten es aber, dass Deutschland dazu auch einen angemessenen finanziellen Beitrag leistet. Der Rückfall in nationale Kleinstaaterei ist dazu keine sinnvolle Alternative.

Herr Dr. Bruns, vielen Dank für das Gespräch.

Hintergrund:

Die inhabergeführte LOYS AG ist ein Spezialist für wertorientiertes aktives Aktienfondsmanagement mit Standorten in Oldenburg, Frankfurt, Chicago, Luxembourg und Zürich. Gegründet 1995, betreut die LOYS AG heute ein Anlagevolumen von rund 1,4 Milliarden Euro.

Dr. Christoph Bruns ist Fondsmanager und Teilhaber bei LOYS. Nach seinem Studium und Promotion in Münster war er zunächst Fondsmanager bei Union Investment. Seit 2005 führt er sehr erfolgreich mehrere Fonds bei der LOYS AG. Er gehört zu den wenigen Fondsmanagern, die auch langfristig ihren Vergleichsindex deutlich geschlagen haben und der damit für seine Anleger einen echten Mehrwert geliefert hat.

 

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2018-05-17T08:40:41+00:00