Seit fast zehn Jahren herrscht in der Zinswelt „Frost“ – man kann inzwischen auch von „Permafrost“ sprechen. Wir haben die durchschnittlichen Festgeldkonditionen von über 40 deutschen Banken und Sparkassen analysiert (siehe Abbildung).

Zu sehen ist die Wertentwicklung einer Festgeldanlage von bis zu 500.000 EUR seit dem Jahr 2010 – also seit fast zehn Jahren. Allerdings haben wir von den kaum vorhandenen Zinsen die Steuern inkl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuern abgezogen. Zudem haben wir die tatsächliche Inflation der vergangenen Jahre berücksichtigt. Fazit: eine solche Anlage hat über 10 Jahre ca. 10 % an Wert bzw. Kaufkraft vernichtet.

Fakt ist aber, dass die meisten Deutschen genau so anlegen. Eine Anlage in Substanzwerten hätte in dieser Zeit eine real positive Rendite gebracht und Vermögen geschaffen statt zu vernichten.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie noch Anlagen im „Permafrost“ investiert haben. Anders als bei der Erderwärmung sehen wir auf absehbare Zeit keine „Erwärmung“ im Zinsumfeld.

Die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken nimmt nicht ab, sondern gerade wieder zu. Auch wenn dies zum Teil zu heftiger Kritik einiger früherer Notenbanker geführt hat, wird weiter munter immer mehr Geld gedruckt. Im einem Memorandum haben am 4. Oktober 2019 Notenbanker aus Frankreich, Deutschland, Österreich und den Niederlanden ihre Sorge über den anhaltenden Krisenmodus der EZB zum Ausdruck gebracht. Sie zweifeln zu Recht an der Wirksamkeit dieser Maßnahmen und sehen zunehmend dahinter die Absicht, hochverschuldete Staaten vor einem Zinsanstieg zu schützen. Das ist aber nicht Ziel der EZB, sondern vielmehr ist einziges Ziel der EZB, die Inflation nahe und leicht unter zwei Prozent zu halten – was gemeinhin als Geldwertstabilität gilt.

Immer mehr werden die negativen Seiten dieser Geldpolitik deutlich: zum Beispiel explodierende Immobilienpreise und sprudelnde Aktienentwicklungen. Hiervon profitieren vor allem Vermögende. Der kleine Sparer oder die junge Familie kann sich kaum noch ein Haus leisten; zudem haben die Deutschen die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast der Welt (!). Unser Rentensystem ist nicht demographiesicher und nicht kapitalgedeckt. Die junge Generation sitzt in einer bösen Falle. Das kann zu erheblichen Verteilungskämpfen und sozialen Spannungen führen, denn die meisten Parteien richten ihre Politik vermehrt an den Interessen der Senioren aus (denn das ist die größte Wählergruppe).

Anleger sollten dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern für sich persönlich die Weichen anders stellen.