Target2 Salden – Risiko für den deutschen Steuerzahler?

Im Januar 2017 sind die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber dem Eurosystem auf über 800 Milliarden Euro gestiegen – dieser Saldo wird auch Target2 Saldo genannt. Es handelt sich bei dieser gigantischen Summe um den höchsten je erreichten Wert. Was bedeutet das?

Vereinfacht gesagt, handelt es sich um Schulden, die andere Zentralbanken Europas gegenüber dem Eurosystem haben. Die größten Schuldner gegenüber dem Eurosystem sind derzeit Spanien und Italien mit zusammen rund 700 Milliarden Euro. Die Deutsche Bundesbank rechnet damit, dass sich dieses Ungleichgewicht weiter erhöht. Ein wesentlicher Grund für diesen enormen Saldenanstieg sehen Experten in dem massiven Anleihen-Kaufprogramm der EZB, die bis Ende Januar in Höhe von 1.600 Milliarden Euro Anleihen erworben hat. Über das zentrale Zahlungssystem Target2 werden solche Forderungen und Verbindlichkeiten verrechnet. Andere vermuten hinter der massiven Ausweitung des deutschen Target2 Saldos eine Kapitalflucht italienischer Vermögen von Italien nach Deutschland.

Professor Hans-Werner Sinn hat schon vor längerer Zeit in Beiträgen und Büchern auf die Gefahren, insbesondere für den deutschen Steuerzahler, hingewiesen, die dieses System mit sich bringt. Sollte ein Land einst aus dem Eurosystrem aussteigen wollen, müßte es eigentlich diese Schulden gegenüber dem Eurosystem in Euro begleichen. Die Höhe dieser Schulden macht das jedoch unmöglich. Am Ende würde dann der deutsche Steuerzahler auf dieser astronomischen Zeche zu einem erheblichen Teil sitzenbleiben. Italien steht mit seiner massiven Bankenkrise und seiner labilen Regierung vor großen Herausforderungen. Jeder vierte Kredit, den italienische Banken vergeben haben, gilt als „verloren“. Eine massive Belastung für die Bankbilanzen, die bereits staatliche Rettungsmaßnahmen, entgegen aller neuen Bankenrettungsgesetze, erforderlich macht. Parallel dazu gewinnen die radikalen Kräfte in Italien immer mehr Zustimmung. Diese Kräfte wollen aus der Währungsunion austreten.

Die Neue Züricher Zeitung schreibt hierzu am 17.02.2017: „Heikel wird es vor allem dann, wenn ein Land mit hohen Target-Verbindlichkeiten, wie beispielsweise Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland, aus der Währungsunion austreten würde. Dann müsste die nationale Zentralbank die Verbindlichkeiten gegenüber dem Euro-System vollständig begleichen, wie Draghi in seinem Brief an die EU-Parlamentarier schreibt.“

Das Schaubild zeigt die Ausweitung der Rendite-Abstände (Spreads) zwischen Deutschen Bundesanleihen und den Anleihen von Spanien, Italien und Portugal. Anleger sehen hier also ein wachsendes Risiko:

Machen wir uns nichts vor: sollten einzelne Staaten aus der Währungsunion autreten, wird keiner dieser Staaten diese Schulden begleichen, schon gar nicht in Euro. Allenfalls in einer weichen neuen Landeswährung wäre eine Rückzahlung realistisch – ein gigantischer Verlust für den deutschen Steuerzahler und alle anderen Länder mit Target2-Forderungen.

Auch vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Eurozone zu restrukturieren und zu reformieren. Ein ungeordneter Zerfall würde hingegen zu einem „Zahltag“ führen, der ein böses Erwachen nach sich zieht.

Bei der persönlichen Vermögensallokation wird eine robuste und globale Vermögensverteilung essentiell wichtig werden.

 

 

2017-02-21T11:47:38+00:00