Während die Corona-Krise zeitweilig viele Aktivitäten des alltäglichen Lebens ausbremst, nutzen viele Privatanleger die Kapazitäten, um sich einer anderen andauernden Herausforderung zu stellen – Aktien. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), basierend auf den Transaktionsdaten nach der europäischen Finanzmarktverordnung (Markets in Financial Instruments Regulation – MiFIR), stiegen die Handelsaktivitäten der Privatanleger seit Ende Februar deutlich an. Insbesondere der Handel mit Aktien hat zugenommen. Während sich für gewöhnlich Kauf- und Verkaufsvolumina am Aktienmarkt ausgleichen, folgte zu Beginn der Krise ein starker Verkaufsüberhang. Doch bereits Anfang März wendete sich das Blatt, Anleger kauften wesentlich mehr Aktien als sie verkauften, es kam zum Kaufüberhang.

Während die starke Aktiennachfrage positiv auffällt, offenbart das Handelsaufkommen leider auch schlechte Nachrichten. Vor allem deutsche Privatanleger zeigten eine klare Vorliebe für DAX-Aktien. Die Ergebnisse der BaFin-Studie zeigen, das Handelsvolumen der DAX-Käufe überstieg das Volumen der Verkäufe im Schnitt um ca. 60 %.

In der Krise haben vor allem deutsche Anleger die Aktie als Anlageform wiederentdeckt, doch leider bleiben sie häufig alten Fehlern treu. Überproportionale Investitionen in den deutschen Heimatmarkt (sogenannter Home Bias) und ein hektischer Fokus auf sehr zyklische Titel sorgen für wesentliche Erhöhungen der unsystematischen Risiken im Depot. Die Gefahr einer einseitigen regionalen und sektoralen Verklumpung steigt erheblich und wird langfristig nicht entlohnt.

Um Kapital langfristig und effizient vor vermeidbaren Verlusten zu schützen, empfehlen wir aktive und passive Investmentfonds (ETFs) in einem global diversifizierten Portfolio. Im ersten Schritt ist dafür eine Erfassung der individuellen Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft notwendig. Angelehnt an das individuelle Risikobudget des Anlegers erfolgt eine Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen, wie zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Rohstoffe. Nach der Herleitung dieser sogenannten Asset Allokation folgt dann eine vertiefende Diversifikation über unterschiedliche Regionen, Sektoren und Währungen. Die fundamentale Streuung des Portfolios wird weiter mithilfe der sogenannten Einzeltitelauswahl durch unsere delegierten aktiven und passiven Fondsmanager optimiert. So ist der Anleger selbst innerhalb eines spezifischen Bestandteils des Portfolios in zweiter Ebene über eine Vielzahl von Einzeltiteln diversifiziert.

Um die eingegangenen Risiken noch gezielter zu steuern und nicht-entlohnte Risiken stringent zu eliminieren, erweitern wir den vorausgehenden Prozess um sogenannte Faktoranalysen. Als Faktoren bezeichnet man bestimmte Merkmale von Wertpapieren, die sich als beständige Risiko- und Renditetreiber erwiesen haben. Unabhängig von der Gattung eines Wertpapiers, des Landes, der Währung oder der Industrie, lassen sich Charakteristika identifizieren, die über einzelne Wertpapiere hinaus den Erfolg eines Portfolios maßgeblich beeinflussen.

Es gibt zwei Hauptarten von Faktoren, die als primäre Treiber von Risiko und Rendite identifiziert werden können:

Makroökonomische Faktoren: Makrofaktoren erfassen breite Risiken über die Grenzen von Anlageklassen hinweg. Beispiele für Makrofaktoren sind Realzinsen, Inflation oder Wirtschaftswachstum.

Stilfaktoren: Stilfaktoren beziehen sich auf die Risiko- und Renditetreiber vor allem innerhalb von Anlageklassen. Beispiele sind Value, Size oder Momentum im Bereich Aktien.

Mithilfe von empirisch fundierten ökonometrischen Analysetechniken überwachen wir das Zielportfolio und korrigieren mögliche Verschiebungen von Faktorrisiken, welche mit der reinen Anlageklassen-orientierten Diversifikation nicht erfasst werden können.

Im Rahmen unseres tiefgehenden Diversifikations- und Portfoliokonstruktionsprozesses streben wir an, vermeidbare Risiken zu reduzieren und Renditetreiber zu isolieren, um die erwartete Rendite der Kapitalanlage nach höchsten fachlichen, ethischen und rechtlichen Standards zu erhöhen.