Die Portfoliostruktur und damit auch die Renditeerwartung vieler Anleger stützt sich in der Regel auf Erfahrungswerte. Es werden langfristige Durchschnitte herangezogen und man hofft, die Rendite auch in Zukunft zu erzielen. Berater werden nicht müde zu betonen, dass vergangene Wertentwicklungen kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge sind. Dies sieht man aktuell vor allem im Bereich der Rentenpapiere, gemeint sind Staats- und Unternehmensanleihen, also Papiere, die klassisch zum größten Teil in der Portfoliostruktur der Lebensversicherungen und Versorgungswerke den Anlegern Zinsen bringen sollen. Aber auch die Portfoliostruktur sehr beliebter und bekannter Mischfonds, in die Anleger mit ausgewogenen Renditeerwartungen investieren, haben zu einem mehr oder weniger großen Teil solche Papiere an Bord.

Das Schaubild zeigt die traditionelle Rendite-Erwartung, die bisher als akzeptiert galt:

Portfolio1a

 

 

 

Fazit: Der Rententeil eines Mischfonds hat insbesondere konservativeren Anlegern erhebliche Gewinne beschert. Die Anleihekomponente war ein wichtiger Puffer, da diese Papiere in der Regel im Wert stiegen, wenn die Aktienmärkte mal fielen. Das Jahr 2015 hat aber gezeigt, dass die Pufferfunktion durch diese Portfoliostruktur nicht mehr gegeben ist: Anleihen sind in der zweiten Jahreshälfte ebenso wie Aktien im Wert gefallen. Diese Art von Streuung hat nicht mehr funktioniert. Zudem ist die Renditeerwartung bei Anleihen von 4 % völlig unrealistisch geworden. Das Ergebnis lässt sich im folgenden Schaubild betrachten.

Das Schaubild zeigt die Rendite-Erwartung bei korrigierter Anleihen-Rendite:

Portfolio2

 

 

 

Fazit: Im Bereich Anleihen dürfen Anleger höchstens noch mit einer schwarzen Null rechnen, es sei denn, die Fonds investieren auch in Risiko-Anleihen, wo noch etwas mehr zu erwirtschaften ist. Die Rendite-Erwartung ist in dieser für die Zukunft realistischen Darstellung massiv gesunken. Der Rentenanteil bringt keine Performance mehr und erfüllt auch nicht mehr die wichtige Pufferfunktion im Rahmen der Portfoliostruktur. Sofern man die Fondskosten von ca. 1,5 % noch abzieht, bleibt fast nichts mehr übrig. Und über Inflation haben wir noch gar nicht gesprochen…

Was können Anleger tun? Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  1. Anleger können sich damit abfinden, zinsloses Risiko zu 67 % in ihrem Portfolio zu haben und eine deutlich niedrigere Wertentwicklung akzeptieren. Diese Option ist aus unserer Sicht die Schlechteste.
  2. Anleger können Fonds mit einem höheren Aktienanteil kaufen, da dort die Rendite-Erwartung höher ist. Diese Erwartung soll mit Dividenden und Kursgewinnen erfüllt werden. Problem: Anleger müssen eine deutlich höhere Schwankung in Kauf nehmen und Gelassenheit mitbringen, Verluste auf dem Papier auch mal aussitzen zu können.
  3. Anleger können das klassische Mischfonds- oder Portfolio-Konzept erweitern und eben nicht nur auf klassische Aktien oder Anleihen setzen. Sie können moderne „alternative Strategien“ oder „liquide Absolute Return“-Fonds in das Portfolio integrieren. Solche Fonds orientieren sich nicht an klassischen Vergleichsindizes, sondern streben an, in jeder Marktlage eine absolute positive Rendite über einen bestimmten Zeitraum zu erreichen. Solche Konzepte setzen wir seit Jahren massiv in unseren Kundendepots ein. Auch in dem schwierigen Jahr 2015 konnten sie zum Teil recht hohe Renditen erzielen.

Die erweiterte Struktur könnte dann wie folgt aussehen:

Portfolio3

 

 

 

 

Im Beispiel haben wir die Aktienquote von 33 % auf 45 % moderat erhöht. Die Rentenquote haben wir auf 20 % herabgesetzt und die Absolute-Return-Komponente mit 35 % hinzugefügt. Achtung: auch bei den Absolute-Return-Fonds gilt: Annahmen können sich als falsch herausstellen. Die Wertentwicklung kann hinter den Erwartungen zurückbleiben oder auch negativ sein.

Stellen Sie Ihre Anlagestrategie, die Sie vielleicht bei anderen Vermögensverwaltungen verfolgen, auf den Prüfstand. Machen Sie einen Depot-Check mit uns.